Offener Brief aus Lahnstein an Herrn Bischof Dr. Franz–Peter Tebarzt-van Elst

Offener Brief aus Lahnstein an Herrn Bischof Dr. Franz–Peter Tebarzt-van Elst

brief

„Anderes hat mich auch nachdenklich gemacht und dazu beigetragen, dass ich einige Entscheidungen heute mitunter in einem anderen Licht sehe. Rückblickend gibt es Dinge, die ich anders angehen würde.
Auch ein Bischof ist nicht über jeden Zweifel erhaben und muss Kritik vertragen können, das ist wahr. Deshalb will ich mich heute auch in besonderer Weise an diejenigen wenden, die mich aus kritischer Distanz beobachten. Lassen Sie uns aufeinander zugehen! Ich schätze Ihre skeptischen und kritischen Fragen.“
(aus Ihrem Brief vom 31.8.2013)

Aufgrund dieser Ihrer Einladung wagen wir es, Ihnen Eingaben weiter zu geben, die
aus unserer Situation erwachsen sind aufgrund Ihres Amtstils, der uns bis jetzt tief
verletzt, verunsichert… Wir geben diese Eingaben weiter, damit es im Bistum besser wird, jesuanisch… , damit andere Kirchenleitung besser erfahren und mehr Sicherheit haben als wir es hier vor Ort mit P.Jungheim erleben mussten und müssen…

I. Wir fordern Sie zuerest einmal auf, die rein negativen Eintragungen über Pater Jungheim auf der Homepage des Bistums unter seinem Namen zu löschen und/oder dort den realen Sachverhalt einzuspeisen:

Begründung:
1. Diese Pressemitteilung vom 2.9.2011 ist durch die Tatsache widerlegt, dass Pater Jungheim von Anfang an bis heute seinen beiden Nachfolgern den Weg nicht erschwert, sondern im Gegenteil erleichtert hat: Er hat immer wieder zur Unterstützung der Beiden aufgerufen (auch in dem benannten Interview) und mehrfach Mitglieder der Gemeinde eindringlich – und letztendlich auch erfolgreich – um weitere aktive Teilnahme an den damals bevorstehenden PGR-Wahlen gebeten. Zudem unterstützt Pater Jungheim in Absprache mit den beiden neuen Pfarrern ehrenamtlich die Arbeit in beiden Gemeinden.
2. Es darf aus unsere Sicht auch nicht sein, dass über eine Person wie hier Pater Jungheim auf der Web-Seite des Bistums nur Negatives unter seinem Namen zu lesen ist; dies ist nicht nur rechtlich bedenklich, sondern auch im hohem Maße ein ungerechter und unfairer Umgang mit ihm.
3. Die Homepage eines Bistums darf aus unserer Sicht nicht nur im Blick auf den Bischof gestaltet werden, sondern muss auch alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerecht werden.
Das fordert ja aktuell auch der Papst gerade von den Bischöfen

II. Wir fordern Sie auf, folgende Eingaben rechtlich zu verankern und damit auch die Überprüfung rechtlich zu garantieren über Priesterrat, MAV, Diözesanversammlung:
1.Es muss jesuanische und menschenrechtliche Regelungen in der Kirche geben:

1.1 Abmahnung: Wenn der Bischof z. B. einen Mitarbeiter „(ab)mahnen“ will,
muss er zumindest bestimmte formale Schritte einhalten. Dies dient dem
Schutz des „nicht so Mächtigen“ und auch dem eigenen Schutz.
Es darf nicht sein, dass der Bischof mit Zeugen zu dem Betroffenen ohne
Vorankündigung der beabsichtigten (Ab) Mahnung kommt. Der „Angeklagte“
muss zuvor schriftlich informiert und ihm muss auch die Möglichkeit zur
Gegendarstellung gegeben werden und dann sollte ein Gespräch sein
zu dem beide Seiten – nicht nur der Bischof – Zeugen oder Vertraute
mitbringen dürfen
Es ist einfach auch sehr fragwürdig, wenn versprochene Vieraugenge-
spräche bei der Visitation willkürlich nur vom Bischof umfunktioniert
werden in willkürlich durchgeführte Abmahnungen ohne Vorankündigung
nur mit einem Zeugen des Bischofs….;das baut Misstrauen auf und
verpasst Miteinander…
So haben nicht nur wir in Lahnstein es bei der Visitation erfahren.

1.2 Beurteilung: Es kann auch nicht sein, dass der Bischof und seine Leitung
über andere Verantwortliche (z.B.Provinzial) Vermutungen über anvertraute
MitarbeiterInnen (z.B. P.Jungheim) als Tatsachen benennen, um auf diesem
Weg MitarbeiterInnen vor Ort aus der Seelsorge „los zu werden“. Es dürfen
hier nicht Vermutungen oder einseitige Beurteilungen der Bistumsleitung
entscheidend sein. Es ist auf jeden Fall erforderlich mit den Betroffenen
persönlich zu sprechen. Beide Seiten müssen die Gelegenheit der
Darstellung der Angelegenheit haben. Des Weiteren sind auch die Gremien
– wie PGR und VR – und die Hauptamtlichen bei der Beurteilung von
Seelsorgern und Hauptamtlichen zu hören.
Diese Erfahrung musste P.J. machen, der als „wenig hilfreich“ von der
Bistumsleitung eingeschätzt wurde ohne Rücksprache und aufgrund
dieser einseitigen Einschätzung/Vermutung sollte der Provinzial ihn
aus Lahnstein abziehen. Dies hat der Provinzial anders als die Bistums-
leitung als ungerecht eingeschätzt und offen mit ihm gesprochen u.a.

1.3 Bestrafung: Es kann nicht sein, dass der Bischof z. B. P.J. wegen der
Nichtbeachtung liturgischen Vorgaben abmahnt/bestraft, während er nicht
zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn er sich nicht an Regeln der
(Ab)Mahnung hält oder nur aufgrund eigener einseitiger Beurteilung ohne
Befragung der Gremien und anderer vor Ort Hauptamtliche strafversetzt.

1.4.Recht der Veröffentlichung und Stellungnahmen auf Bistumsebene:
Wir haben erfahren müssen, dass die Bistumsleitung zu einem Artikel in
unserer Lokalzeitung bzgl. der Strafversetzung unseres Priesters eine
Stellungnahme in der Bistumspresse mit Vorwürfen gegen diesen Priester,
seine Leitung und den Lokalredakteur veröffentlichte. Ihnen wurde u. a.
vorgeworfen, Fehlinformation und Unwahrheiten zu verbreiten und sie
würden einen indiskreter und verleumderischer Umgang mit der
Bistumsleitung führen.. Die Gegendarstellung unseres Priesters wurde
aber dann nicht auf der Homepage und in der Bistumspresse veröffentlicht
und weitere Erklärungen in der eigenen Ordenszeitschrift wurde unter
Druck untersagt. In solchen Fällen muss auch das Recht der Gegendar-
stellung auch in der Bistumspresse festgelegt werden, erst recht muss dies
möglich sein in eigenen Zeitschriften wie Ordenszeitschrift oder Pfarrbrief…

III.Stil des Dialogs vonseiten der Bistumsleitung
Wir haben als Gremien und UnterstützerInnen von P.J. wie er selbst erfahren
müssen, dass es keine ergebnisoffene Gespräche mit der Bistumsleitung gegeben
hat. Aufgrund der Unterschriftaktion und Proteste gab es ein Gespräch mit der
Bistumsleitung mit dem Provinzvikar, das aber so gestaltet war, dass zuerst
allein dem Vikar die Vorgabe der Bistumsleitung vorgelegt wurde und dann erst
P.J., der sich offen dafür zeigte, aber nie gedacht hätte, dass dies nicht mehr
bedacht und besprochen werden kann mit den Gremien der Pfarrei und den Unter-
stützerInnen und auch nochmals mit der Provinzleitung. Es war ein Vorgabe ohne
Spielraum. Und das Gespräch, das dann dem PGR angeboten, aber durch ein
Versäumnis unsererseits nicht wahrgenommen wurde, wäre nicht anders gelaufen
weil zu der Zeit schon alles festgemacht war; es wäre eine Darlegung der Ent-
scheidung der Bistumsleitung geworden.
Um Vertrauen neu aufzubauen von Ihrer Seite, müssen Sie neu lernen,
ergebnisoffene Gespräche zu führen und erfahren lassen, dass Eingaben
auch in Ihre Entscheidungen einfließen.
Das vermissen nicht nur wir in Lahnstein, das bezweifelte jetzt noch nach dem
Gespräch Ende August die Vorsitzende der Diozesanversammlung :“Manchmal
fragen wir uns jedoch, ob unsere Bedenken in Ihre Entscheidungen
auch einfließen“, sagte Versammlungspräsidentin Schillai. (kna)

Auch persönliche Eingaben auch über Email sollte ein Bischof allein als
Seelsorger sensibel angehen und vor allem darauf antworten. Das ist
bei P.J. nicht geschehen

Schließlich wird Vertrauen verspielt, wenn es von der Bistumsleitung ver-
säumt wird, dankbar Dienste gerade in Krisenzeiten anzuerkennen und
nur eigene „Verletzungen“ zu pflegen aufkosten derer, die sich trotz
Misstrauen und ungerechter Beurteilung durch Bistumsleitung vor Ort
einsetzen, um den Zusammenhalt zu wahren und zu deeskalieren.
(Beim Wegang von Pfr.Weis war es so und nach der Absetzung von
P.J.)
Ebenso ist es unverhältnismäßig einen Druck auf eine ganze Ordensge-
meinschaft auszuüben, wenn es um einen Konflikt mit nur einem Mitbruder
geht und dabei zu verkennen, wie sehr er sich trotz Konflikt einsetzte und
einsetzt. Das ist auch gegenüber allen undankbar und damit ungerecht,
reine Macht

IV.Allmacht, Willkür und Klerikalismus muss sich ändern, sagt deutlich Papst
Franziskus und nicht nur wir, die wir Bistumsleitung bei uns und in Wetzlar,
Frankfurt, Limburg.. so erlebt haben und erleben.
Die Allmacht der Bischöfe muss sich endlich weltweit ändern, was Gott sei Dank
der Papst und viele Bischöfe neuerdings fordern.
Die Grundlage, das Fundament unserer Kirche ist nicht Weiheamt, sondern die
Taufe und die Firmung, die gleiche Würde aller schafft! (Vat.Konzil)
Das Weiheamt ist Dienst an dieser Würde aller und nicht Voll-macht, blinden
Gehorsam einzufordern. Wenn Gehorsam, dann zuerst Gehorsam der Mächtigen
im Sinne Jesu
Bischof und Bischofskollegen müssen sich klar machen, dass sie zuerst diejenigen
zu sein haben im Dienst Jesu, die zuerst einmal vertrauen und nicht misstrauen,
zuerst einmal anerkennen und schätzen.
(So in Predigten des neuen Papstes und in theologischen Verdeutlichungen im 50.
Jahr des Vatikanischen Konzils).
Im Kirchenrecht ist die Stellung und Würde aller Getauften noch nicht aufgear-
beitet. Es muss endlich deutlich werden, dass wir die Kirche Jesu sind und nicht
die Kirche Konstantins mit dem Hofbeamtenstaat und –stand der Bischöfe mit
Allmacht. (so Bischöfe aus Brasilien)

Zum Ende noch was Persönliches:
*Ihre Romfahrt jetzt war kein Zeichen der Umkehr: Sie sind allein gefahren, ohne Opfer; und die angebliche Rückendeckung gab es nur für Sie!
Das ist nicht die Art der Kirche Jesu; und so scheint wohl auch der Nuntius gehandelt zu haben, der da nicht eingeschritten ist zugunsten der Opfer und Gemeinden mit ihren Klagen, sondern wohl nur Ihnen angeblich Rückendeckung gegeben hat.

*Mit derm Bischofshausproblem müssen Sie redlicher umgehen; Ihre im Folgenden zitierten Aussagen im domradio-Interview zur Einfachheit die Papst Franziskus fordert, sind für uns zynisch:
„Tebartz-van Elst: Papst Franziskus hat uns schon uns ganz wichtige Impulse gegeben und gibt sie weiter, wofür wir sehr dankbar sind. Das bedeutet für einen Bischof, sich dem auch zu stellen und darüber nachzudenken, was das heute heißt. Papst Franziskus hat auf dem Rückweg vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro im Flugzeug ein sehr lesenswertes Interview gegeben. Er fragt: Was heißt das: Einfachheit? Er sagt, darüber muss jeder dann selber ins Nachdenken kommen, das ist für den einen dies, für den anderen das. Und er betont immer wieder, wie wichtig die Gastfreundschaft, die unmittelbare Begegnung ist. Und dafür haben wir in Limburg das Bischofshaus gebaut, und diesem Zweck soll es dienen: dass hier viele Menschen aus dem Bistum zusammenkommen können. Deswegen haben wir es gebaut mit allen Herausforderungen, die vom Baugrundstück damit verbunden waren. Es soll ein Ort des Gastfreundschaft und der Begegnung sein. Viele waren schon hier, und noch mehr sollen kommen! Es ist mein Anliegen, als Bischof mit den Menschen in Begegnung zu sein. Sie bei mir zu Gast zu haben und mit ihnen gleichsam auch in Mahlzeiten Gemeinschaft zu teilen. Dafür braucht es Orte der Begegnung.“
Ihre Einladung in dieses teure und finanziell nicht durchschaubare Bischofshaus ist nicht die Lösung, sondern echte Umkehr und Eingehen auf uns in Lahnstein, Wetzlar, Frankfurt, Limburg, u.a., die Sie nicht nur aus kritischer Distanz beobachten, sondern verletzt sind und trotzdem engagiert vor Ort arbeiten zugunsten der Gemeinden
Und weiter: endlich müssen Sie ernsthaft Sorge dafür zu tragen, dass das Bischofsamt wieder Dienst ist und nicht Herrschaft mit Allmacht. Wir haben vor Ort trotz ihrer Art gut im Sinne Jesu miteinander für unsere Gemeinden gearbeitet und sind damit auf die neuen Priester zugegangen und damit auch
auf Sie. Aber Ihr Zugehen blieb aus.
Übrigens ist dies uns gelungen, weil wir Räte ernstnehmen (ihre Eingaben einarbeiten…) und nicht abtun als Ratschläge, die wir nicht beachten müssen
So sollen Sie es ja deutlich gesagt haben, dass der Priesterrat nur Rat ist und
Sie der Bischof. Das zerstört Miteinander, wie wir es jetzt erleiden…

gez. in Absprache Pater Wolfgang Jungheim,
dem nichts mehr passieren kann(?), weil er schon weg ist und geschwächt wurde..
dem aber viel daran liegt, dass es vor Ort gut weitergeht und so im Bistum,
und der mit anderen es wieder wagt, Eingaben zu machen, die allen im Bistum zugute kommen können, wenn sie von Ihnen endlich praktiziert werden

P.S. Menschenrechtliche Regelungen müssen m.E. auch in der Kirche beachtet werden, wie wir sie hier darlegten.
Auf Dauer werden demokratische Parteien und Institutionen nicht geduldet, unterstützt, wenn sie nicht eine echte Kontrolle der Macht garantieren.

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