Evangelische Kirche setzt in Wetzlar ein Zeichen gegen Rechtsextremismus

 

Wetzlar (bkl). Ein deutliches Zeichen für Weltoffenheit, Demokratie und Menschlichkeit haben am Samstag etwa 800 Demonstranten, darunter zahlreiche evangelische Christen, in der Region um den Wetzlarer Bahnhof gesetzt. Damit traten sie dafür ein, dass Rechtsextremisten keine Chance haben, mit ihrem Gedankengut in Wetzlar und in der Region Fuß zu fassen.

Zur Demonstration aufgerufen hatte ein Bündnis aus DGB, weiteren Gewerkschaften, den Kirchen, Politikern und verschiedenen Initiativen.

Demo vor Forum

Rund 800 Gegendemonstranten standen nach Polizeiangaben vor dem Wetzlarer Bahnhof etwa 100 Rechtsaktivisten gegenüber.

 Den Aufruf hatten auch die Superintendenten Jörg Süß (Evangelischer Kirchenkreis Wetzlar) und der bei der Demonstration anwesende Roland Rust (Evangelischer Kirchenkreis Braunfels) sowie unter anderen die Evangelische Kirchengemeinden Niedergirmes und Hermannstein unterzeichnet. Pfarrpersonen und Mitarbeitende aus evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, unter ihnen auch der katholische Stadtpfarrer Peter Kollas  sowie Vertreter kirchlicher Arbeitskreise waren zur Demonstration gekommen. Anlass war eine Kundgebung Rechtsextremer in Wetzlar – bereits zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren. Unter dem Motto „Für die Zukunft unserer Kinder“ war sie von der wegen Volksverhetzung vorbestraften Melanie Dittmer aus Nordhrein-Westfalen, Mitglied der rechtsextremen „Identitären Aktion“ organisiert worden. Dabei wirkten auch Akteure des fremdenfeindlichen Thügida-Bündnisses aus Thüringen sowie Thomas Hantusch, NPD-Bundestagskandidat des Lahn-Dill-Kreises, mit. „Wir sind diesmal gut vorbereitet“, beschrieb der Wetzlarer Pfarrer Björn Heymer, der für die Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar bei der von Ernst Richter moderierten Kundgebung sprach, die Planungen, jeweils die Kirchentüren mit Friedensgebet und Glockengeläut zu öffnen, sollten sich die Rechten in der Nähe der Wetzlarer Kirchen zu Kundgebungen versammeln.

Heymer

Pfarrer Björn Heymer sprach für die Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar.

Im Oktober vergangenen Jahres hatten die Domglocken zum Abbruch der Kundgebung der Extremisten geführt. Dazu kam es jedoch diesmal nicht, da der Domplatz aus den gemachten Erfahrungen heraus von den Rechten gemieden wurde. Die Rechtsaktivisten und ihr Beschallungswagen konnten sich aufgrund der Blockade der Gegendemonstranten nur im engen Rahmen der Bahnhofstraße bewegen. Hierbei setzten die Gegendemonstranten ihren eigenen Beschallungswagen ein, sodass die Redebeiträge der Rechtsextremen kaum zu verstehen waren. Hinzu kamen das Pfeifen der Gegendemonstranten und Hupen von Motorrädern. „Erinnerung ist der Schlüssel zur Zukunft“, machte Wolfgang Grieb, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Hermannstein, deutlich. Grieb, der auch für die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar und den Christlich-Islamischen Arbeitskreis sprach, verwies unter anderem auf das jährliche Gedenken zur Pogromnacht, erzählte von einem Unterstützungsprojekt für eriträische Flüchtlingskinder in Tel Aviv und warb damit für „Buntheit“ in Wetzlar, Hermannstein und Israel. „Was diese ewig Gestrigen als ihr Zukunftsmodell ausgegeben haben, ist ein Irrweg, der in den Abgrund führt“, legte Oberbürgermeister Manfred Wagner dar. „Wir in Wetzlar stehen für Vielfalt statt für braune Einfalt“, verwies das Stadtoberhaupt auf das friedliche Zusammenleben von Menschen aus 115 Nationen. Landrat Wolfgang Schuster, der in seinem Beitrag Pfarrer Martin Niemöller und Pfarrer Martin Luther King zitierte, ergänzte: „Wir wollen dieser Brut nicht ein zweites Mal diese Demokratie zur Verfügung stellen!“

 

 

Grieb

Pfarrer Wolfgang Grieb (r.) hob die Bedeutung der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus hervor um die Zukunft menschlich gestalten zu können

Neben ihm der finnische Rockgitarrist Pontus BackDie Anskar-Kirche Niedergirmes, die auf ihrem Gelände ein Parkplatzfest feierte, hatte den finnischen Rock-Gitarristen Pontus Back eingeladen. Er gestaltete das Kulturprogramm der Kundgebung mit und erzählte davon, wie er Christ geworden war.

Schon am Nachmittag vorher hatten Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Fläche vor den Coloraden in der Bahnhofstraße mit bunter Kreide verziert und dabei mit Bildern und Texten in verschiedenen Sprachen ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung gesetzt.

 

 

 

 

Netz Nachbarschaft

Ein „buntes Netz herzlicher Nachbarschaft gegen Rassismus“ hatten Menschen in der Altstadt über die Straßen gespannt.

In der Altstadt waren als Zeichen guter Nachbarschaft mit Menschen aller Nationen bunte Bänder, Luftballons, Friedensbanner und Girlanden mit Länderfahnen über die Straße gespannt. Auf den Straßen standen mit bunter Kreide geschriebene einladende Worte für Menschen aus allen Ländern und Religionen.

 

 

 

 

 

 

 

Evangelische Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar
Uta Barnikol-Lübeck

Fotos: Barnikol-Lübeck

 

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