Aufruf #nichtmituns:
Der Ramadan ist der heilige Monat im Islam. Ein Monat des Friedens, der Solidarität mit den Armen, der Familie und der guten Nachbarschaft. Perverser Weise nutzen die Terroristen ausgerechnet diese Zeit immer wieder für besonders viele ihrer abscheulichen Taten. Deshalb bietet sich der Monat ganz besonders an, um auf die Straße zu gehen und ihnen aus voller Kehle entgegen zu rufen: „Nicht mit uns!“ „Ihr gehört nicht dazu!“ „Ihr seid nicht wir, und wir sind nicht ihr!“

Lasst uns alle diese wichtige Zeit für Muslime nutzen – ob wir nun gläubig sind oder nicht, ob wir den Islam als Religion mögen oder nicht. Ein Friedensmarsch im Ramadan, initiiert von Muslimen, unterstützt von unterschiedlichen Akteuren der Gesellschaft, wäre ein symbolträchtiges Signal.

Wir lassen es nicht zu, dass Terroristen im Namen des Islams aber auch nicht im Namen anderer Religionen und anderer Ideologien Unschuldige töten und alles beschmutzen, was uns als Menschen im 21. Jahrhundert wichtig ist.

Wir demonstrieren gegen Extremismus, Terrorismus, Krieg und Diktatur.

Wir treten ein für eine solidarische Welt, für Pluralismus innerhalb und außerhalb der Religion, gegen eine Spaltung unserer vielfältigen Gesellschaft in „WIR“ und „IHR“.

Der Widerstand gegen die Terroristen, diese Verbrecher und verblendeten Fanatiker nimmt uns alle in die Pflicht. Aber er nimmt ganz besonders uns Muslime in die Pflicht. Das tut weh! Ja! Doch es ist unser Glaube, der hier missbraucht wird, der hier beschmutzt, beleidigt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird. Dabei wehren wir Muslime uns schon seit Langem dagegen. Immer wieder haben sich in aller Welt muslimische Geistliche und einfache muslimische Gläubige gegen diese grenzenlose Gewalt ausgesprochen. Eine einfache Google-Recherche fördert zahlreiche Treffer im In- und Ausland zutage. Und trotzdem müssen wir diesen Widerstand gegen den Terror immer wieder aufs Neue bekunden. Denn die Anschläge hören ja nicht auf. Immer mehr Menschen in allen Teilen der Welt sterben und immer wieder verweisen die Täter auf den Islam. Zugleich nutzten manche diese Schreckenstaten, um einen Keil in unsere pluralistische Gesellschaft zu treiben. Aber wir lassen uns nicht spalten.

Wir vergessen hier nicht den Terror von Rechtsradikalen seien sie beim NSU, bei der Gruppe Freital oder anderswo. Wir wollen dieses Mal nur die Aufmerksamkeit auf die andere Seite richten.

Wenn wir Muslime diese Absage an Terror und Gewalt bekunden, tun wir das nicht, um irgendjemandem zu gefallen. Wir tun es nicht, weil wir uns als Muslime von diesen Gewalttätern distanzieren müssten. Um sich zu distanzieren, müsste es vorher eine Nähe zu diesen Verbrechern gegeben haben. Aber wir Muslime haben keine inhaltliche, keine geistige, keine emotionale Nähe zu IS-Terroristen, zu al-Qaida-Kämpfern oder Boko-Haram-Rebellen. Wir lieben unsere Partner ebenso wie andere. Wir lieben unsere Kinder ebenso wie andere. Wir bemühen uns ebenso wie andere um ein auskömmliches Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Wir streben ebenso wie andere danach, gute Menschen zu sein. Wenn wir Muslime uns also gegen diese Zivilisations-Zerstörer wenden, die Blut, Leid und Tränen über uns alle bringen, dann tun wir das:

weil wir unseren Glauben an Gott schützen
weil wir an das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Religionen, unterschiedlichen Weltanschauungen, unterschiedlichen Hautfarben, unterschiedlichen Herkünften glauben
weil wir uns nicht von Gewalttätern vereinnahmen lassen
weil wir die Freiheit lieben
weil wir die Demokratie verteidigen
weil wir dem säkularen Rechtsstaat für ein gemeinsames Dasein vertrauen
weil wir Rassismus, Antisemitismus, Hass auf sonstige Minderheiten, Diskriminierung und Ausgrenzung bekämpfen
weil wir Teil eines großen Ganzen sind, einer Gesellschaft, einer Erde, einem Planten
Aber alleine können wir viel weniger erreichen, als wenn wir alle gemeinsam zusammenstehen. Muslime machen gerade einmal 5 bis 6 Prozent der deutschen Bevölkerung aus, auch wenn täglich ausführlich in Politik und Medien über uns berichtet wird. Wir sind kaum organisiert. Die meisten Muslime hierzulande stehen für sich, sie gehören keinem Verband an.

Deshalb brauchen wir unsere Freunde. Und daher bitten wir um Unterstützung aus der gesamten Gesellschaft. Wir sollten alle gemeinsam Seite an Seite stehen. Es braucht ein breites, starkes Bündnis von all jenen, die sich für Toleranz, Gleichheit und Brüderlichkeit unter allen Menschen einsetzen. Wir kämpfen doch alle für eine Welt, die unseren Kindern Schutz und eine Heimat bietet, in der diese sich wohlfühlen und in der diese ihre Persönlichkeiten frei entfalten können.