Zur Info-Veranstaltung in der Stadthalle:

Wer bei solch einem stadtbildprägenden Bauprojekt nicht den Mut hat, sich den Fragen der Bürger in einem Plenum zu stellen, der macht sich verdächtig Antworten zu meiden. Diese sind nämlich nicht nur für die direkt Betroffenen,  sondern für alle Bürger interessant, da sie grundlegende Haltungen von politisch Handelnden deutlich machen.

Zu den Individualinteressen:

Dieser unsägliche Begriff ist in den letzten Wochen häufig verwendet worden, um die Parkhausgegner in der öffentlichen Wahrnehmung zu entwerten. Jeder Protest, ob nun gegen ein Atomkraftwerk in der Nachbarschaft oder die Abholzung eines alten Baumbestandes, war und ist nie etwas anderes als Individualinteresse. Es als Makel zu definieren, ist genauso geistreich wie sich darüber zu beschweren, dass Schnee weiß ist!

Zum Vorwurf, dass sich ausgerechnet die Eltern gegen einen Hort-Abriss engagieren, deren Kinder ja eh nur noch ein Jahr im Hort sind:

Wer so etwas sagt, entlarvt sich selbst als Opportunist. Passt super in unseren Zeitgeist. Warum sich für etwas einsetzen, von dem ich selbst kaum noch profitiere?  Setzt man sich aber für seine Überzeugungen ein, lebt man seinen Kindern demokratisches Handeln vor. Man kämpft, man zweifelt, man macht Fehler und evtl. scheitert man auch. Das halte ich für erstrebenswerter, als den Kindern frühzeitig Kosten-Nutzen-Verhalten vorzuleben.

Zum Vorwurf, dass wir die Kinder für unsere Sache instrumentalisieren:

Wer so etwas sagt, sollte mal seine Erinnerung bemühen. Ich war zutiefst schockiert darüber, dass auf dem Info-Elternabend im Hort kein Elternteil bestürzt war, über die eklatante Verkleinerung der Grünfläche. Auch das passt in unseren Zeitgeist. Wir alle lassen uns gern von durchoptimierten Bewegungslandschaften und riesigen Investitionssummen  blenden. Und die Zustimmung der Kinder, die nie wirklich entscheiden durften, ob sie ihren jetzigen Hort überhaupt verlassen wollen, wurde von den Befürwortern am Ende auch noch als Trumpfkarte gegen die Skeptiker ausgespielt.   Wer instrumentalisiert hier also wen?

Was vor allem ca. 70 Schulkinder! nach Unterricht und Hausaufgaben brauchen, sind nicht Boulderwand und Co, sondern große Bewegungsflächen, auf denen sie ungehindert  spielen und rennen können. Ein durchgestylter Multifunktionsraum kann den immensen Flächenverlust nicht kompensieren.

 

M.  Koendgen