Flüchtlinge willkommen!

Cafés laden zu Gesprächen und Begegnung ein

Besucher

Mehr als 70 hilfsbereite Menschen, die sich für die Flüchtlinge im Zeltlager einsetzen wollen, konnte Pfarrer Jörn Contag in der Kapelle der Königsberger Diakonie begrüßen.

Wetzlar (bkl). So viel Hilfsbereitschaft unter der Bevölkerung, wie sich am Mittwoch Abend beim Vorbereitungstreffen zur Planung von Begegnungs-Cafés für die Flüchtlinge im Wetzlarer Zeltlager abzeichnete, hatten die Initiatoren vom Arbeitskreis Flüchtlingshilfe gar nicht erwartet. So trugen sich am Ende von den mehr als 70 Besucherinnen und Besuchern, die Pfarrer Jörn Contag in der Kapelle der Königsberger Diakonie begrüßen konnte, über 50 in die ausliegenden Listen zur ehrenamtlichen Mitarbeit ein. Sie werden in Cafés an sechs Standorten in Wetzlarer Kirchengemeinden Dienst tun. Dazu gehören die Vor- und Nachbereitung der Räumlichkeiten ebenso wie das Ausschenken der Getränke und das Führen von Gesprächen mit den eingeladenen Flüchtlingen. Die Pflege von Kontakten sei wichtiger als das Verteilen von Lebensmitteln und Hygieneartikeln, machte sich ein hier schon länger lebender syrischer Flüchtling für die Idee stark. Mohamad Haj Osman will beim Dolmetschen mithelfen, denn er kann neben deutsch, das er bereits recht gut gelernt hat, auch arabisch, kurdisch und englisch. Camp-Flüchtlinge aus dem eigenen Heimatland einzuladen und ihnen die Örtlichkeiten für Begegnungen zu zeigen, könnte auch zu seinen Aufgaben gehören. Stadtpläne sind bereits vorhanden.

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Über die aktuelle Situation im Flüchtlings-Camp informierte Diakon Harald Würges.

Das Konzept der Willkommens-Cafés stellte der Wetzlarer evangelische Pfarrer Jörg Süß vor: „Wir stellen die Räume zur Verfügung, in denen die Menschen einander und uns begegnen können“, führte er aus. „Wir sind auch für Fragen und Sorgen da und geben kostenlos Getränke aus.“ „Wir klinken uns da gerne ein“, erklärte Pastor Thomas Schech von der Freien Evangelischen Gemeinde seine Bereitschaft, ebenfalls ein Willkommens-Café einzurichten.

Gedacht ist daran, dass sich Ehrenamtliche einmal in der Woche drei Stunden Zeit nehmen. Für Ersatzpersonen soll  bei terminlicher Verhinderung gesorgt werden. Die Moschee-Vereine laden die Menschen bereits zu Mahlzeiten ein. „Überlegen Sie sich gut, ob Sie noch zusätzlich Arbeit übernehmen“, so Harald Würges vom Arbeitskreis Flüchtlingshilfe angesichts der Situation, dass viele bereitwillige Helfer sich  bereits dauerhaft um Flüchtlings-Familien oder Einzelpersonen vor Ort kümmern. „Unsere Kräfte sind begrenzt. Sie dürfen nicht ausbrennen.“ In seiner Einführung hatte der Diakon über die aktuelle Situation im Camp auf dem Spilburg-Gelände berichtet. Die inzwischen 740 Flüchtlinge seien nunmehr fast drei Wochen da, nachdem anfangs lediglich zwei bis drei Tage geplant seien, erfuhren die Anwesenden. Es fehle den Menschen an Geld, sauberer Kleidung, ärztlicher Versorgung und Privatsphäre. Auch gebe es nicht genügend Sozialarbeiter vor Ort.

Listeneintrag

Viele trugen sich zusätzlich in eine Liste mit „besonderen Diensten“ ein.

Am Ende der Veranstaltung waren nicht nur die Listen für die Cafés in den kirchlichen Häusern gut gefüllt. Besucherinnen und Besucher trugen sich auch in eine Liste für „besondere Dienste“ ein mit Angeboten wie beispielsweise Fahrten zu den Kleiderläden in der Stadt oder dolmetschen.

 

Standorte der sechs Begegnungscafés in Wetzlar werden die evangelische Gnadenkirche (Montag, 14-16 Uhr) sein, das evangelische Domgemeindehaus (Dienstag, 14-16 Uhr), das evangelische Gemeindehaus der Hospitalkirche (Dienstag, 19-21 Uhr), das Café Treffpunkt der Königsberger Diakonie (Mittwoch, 19-21 Uhr), die evangelische Kreuzkirche (Donnerstag, 14-16 Uhr), das katholische Gertrudishaus (Freitag, 14-16 Uhr) und die Freie Evangelische Gemeinde (Samstag, 14-16 Uhr). Anlaufstelle für Ehrenamtliche, die sich gern zusätzlich beteiligen wollen, ist das Gemeindeamt der Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar per E-Mail unter gemeindeamt@evangelisch-in-wetzlar.de. Rückfragen beantwortet Harald Würges unter Tel. 01578/3287900.

 

Fotos: Barnikol-Lübeck