Offene Gegenrede III

Christoph Schäfer Fraktionsvorsitzender der CDU Wetzlar

zu Christoph Schäfers Rede am 14. November 2018 im Stadtparlament,

die er unmittelbar vor der Entscheidung zu Parkhaus, Abriss und Verlegung der KiTa-Marienheim und Abholzung und Bebauung des Liebfrauenbergs gehalten hat.

KINOPOLIS in Wetzlarer Altstadt

aktuell dazu:  Deutschen Kinos droht Negativredkord

Herr Schäfer zitiert die Ausführungen eines im Offenen Brief angeführten Experten. Darin wird in Aussicht gestellt, dass das Kino massiv zurückgehen wird. Herr Schäfer widerspricht der Expertise nicht. Er weist aber darauf hin, dass am Ende der im Offenen Brief angeführten Studie ein Konzept zu finden sei, das in Wetzlar umgesetzt werden soll. Es besagt, dass man die Kinosäle anderweitig nutzt: privat oder geschäftlich. Was er genau damit meint, sagt er nicht. Dass in Wetzlar dafür kein Bedarf besteht, haben wir im offenen Brief ausführlich dargelegt. (Siehe S. 2)

Herr Schäfer suggeriert, dass dieses „Geschäftsmodell“ bereits in den Kinos in Gießen und Marburg praktiziert werde. Was er genau damit meint, sagt er nicht.

Er verweist auf eine Broschüre von „Globales Schulkino“. Das bedeutet: Einmal im Monat bietet ein Kino in Gießen und ein Kino in Marburg vormittags um 10 Uhr einen Film für Schulklassen an. Also ein ganz normales Kino-Programm, das, staatlich gefördert, versucht, Schüler einmal im Monat ins Kino zu locken. Damit will Herr Schäfer das Kino in Wetzlar retten.  Die Medienräume in unseren Schulen sind so gut ausgestattet, dass ein Kinobesuch zur Schulzeit immer unwahrscheinlicher wird.

Was Herr Schäfer ebenfalls in der Trendanalyse verschweigt, sind zukunftsweisende Geschäftsmodelle, bei denen man sich eine hochwertige Kino-Ausrüstung für zu Hause liefern lassen kann. Mit neustem Dolby-Atmos-Sound. Am Ende der Trendanalyse, von der Herr Schäfer fordert, dass man sie doch nur zu Ende lesen solle, steht der Satz:

Das Kino der Zukunft funktioniert ohne einen Saal.

Auf die Frage, ob Herr Theile überhaupt das nötige Kleingeld hat, um das Kino auf den neusten Stand der Technik zu halten, will Herr Schäfer nicht eingehen. Er vertraut dem erfahrenen Unternehmer. Unsere Bedenken werden einfach ohne professionelles Gutachten vom Tisch gewischt.

Die Frage bleibt also, warum man sich nicht gleich für ein Gebäude und Räume entscheidet, die zukunftssicher und ein Alleinstellungsmerkmal für Wetzlar darstellen. Mit Fenstern! Mit einem Hof. Von wegen „Domhöfe“. Der Kinokomplex besitzt keinen Hof. Man sollte ehrlicher Weise von einem Dom-Center sprechen.

Nebenbei: Herr Schäfer deutet an, dass der Unternehmer Theile in Marburg ein Kino betreibe. Das ist nicht zutreffend. Die dortigen Kinos gehören zur Cineplex-Gruppe, den Markführern (90 Standorte, 530 Leinwände), nicht zu Kinopolis (17 Standorte,137 Leinwände).

Im Moment ist Wetzlar mit rund 400 Plätzen das kleinste Kino der 17 Kinos, die Gregory bzw. Rolf Theile führen. Durchschnittlich haben die Kinopolis-Paläste 2000 Plätze. Wenn es mal nicht mehr so gut läuft mit Kinopolis, kann man das Kino in Wetzlar also schmerzlos wieder abstoßen.

Möge die Zukunft des Kinos das Kino in Wetzlar noch eine Weile über Wasser halten. Das Gebäude bleibt uns voraussichtlich länger erhalten: als riesiger Betonklotz mit fensterlosen Sälen. Welche Folgenutzung kann man für ein leeres Kino vorsehen? „Globales Schulkino?“

Grafik : Wünschmann (WNZ 8.11.2018)

Man beachte, dass die Bewohner von drei Gassen direkt auf die fensterlosen Wände des Kino-Klotzes  blicken werden.

Auf ein professionelles Gutachten zur Kino-Standortfrage in der Altstadt greift Herr Schäfer nicht zurück. Er verlässt sich einmal mehr auf sein gutes Gefühl, eine ganz persönliche Einzelmeinung. Andere Städte, z.B. Nordhorn haben Standort-Analysen durchgeführt, um den bestmöglichen Standort für ein Kino zu ermitteln. Dies dient allen, dem Investor, der Stadt, den Anwohnern und den Kinobesuchern. Wieso lässt man in Wetzlar wichtige Stakeholder bei der Betrachtung der Standortanalyse außen vor?

Kein Wort zu dem Argument, das von einer Anwohnerin in der Informationsveranstaltung aufkam: Bei schönem Wetter gehen die Menschen nicht ins Kino, da gehen sie shoppen. Bei schlechtem Wetter gehen sie ins Kino, nicht shoppen. Kino ist kein Frequenzbringer für den Einzelhandel. Man sollte den Einzelhändlern dazu keine falschen Versprechungen machen.

Hören Sie bitte, was Professor Olaf-Axel Burow vom Institut für Synergie und soziale Innovation zu den unbefriedigenden Abläufen in Wetzlar zu sagen hat. Aus der Spätausgabe der Hessenschau vom 30.10.2018:

 

 

Schauen Sie sich einen Ausschnitt aus der Rede von Thomas Le Blanc an 

Studienrat i.R., Verlagslektor, Autor, Publizist und Journalist. Gründer und Vorstand der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, außerdem Stiftungsberater sowie Vorstandsmitglied im Regionalforum Lahn-Dill-Wetzlar und der Wetzlarer Goethe-Gesellschaft)

, die er vor wenigen Tagen anlässlich des Ökumenischen Jahresempfangs der beiden Wetzlarer Domgemeinden gehalten hat:

„Wetzlar verschläft die Zukunft“

 

Wir erwarten endlich eine sachliche Reaktion auf unseren Offenen Brief und einen Stopp der unnötigen Bauvorhaben auf dem Liebfrauenberg, eine Modernisierung der KiTa-Marienheim, einen Verzicht auf ein Parkhaus am Rosengärtchen und den Verzicht auf ein Großkino in der Altstadt.

Mit freundlichem Gruß

Harald Minde

Barbara Spruck

Mareike Wagner

Jan Wagner

Dr. Gudrun Behrens-Hardt

Jürgen Hardt

Joachim Schäfer

Karin Kuhn

Thomas Künzer

Peter Dietrich

Dr. Josef Geisz

Heike Köndgen

Markus Köndgen

Anne von Kenne

Erika Reich

Herbert Ross

Sylvia Winkler

Antje Boch

Helga Rosemann-Leithäuser

 

PS. – Offene Fragen:

Was ist mit der denkmalgeschützen Mauer, die den Platz mit den Linden am Liebfrauenberg umschließt? Wie sollen die Mauern erhalten bleiben?

Laut WNZ vom 18.11.2018: Dem Landesamt für Denkmalpflege zufolge sind es die Grundmauern von vier barocken Gebäuden, die dort bis zum Umbau von Gewands- und Schuhgasse in den 60er und 70er Jahren gestanden haben. Angeblich gibt es ein neues Gutachten. Kann man das einsehen? Was passiert mit dem denkmalgeschützten Haus am Liebfrauenberg, das die Stadt aus unbekannten Gründen vor zwei Jahren erworben hat und seitdem verkommen lässt? Im Untergeschoss, in das man durch Löcher in den Scheiben und neuerdings auch ein zu öffnendes Fenster (!) Einsicht in das Untergeschoss nehmen kann, ist ein Raum, der für ein Depot für Spielsachen dienen könnte. Eine Tür führt ebenerdig auf den Spielplatz.