OFFENER BRIEF

für eine lebenswerte  Altstadt – für ein zukunftsfähiges Wetzlar

kein Abriss der Kindertagesstätte Marienheim – kein Parkhaus im Rosengärtchen!

 

Auszüge aus dem Offenen Brief der Bürgerinitiative Marienheim.

offener briefDer ganze Brief kann hier… als pdf-Datei (1,5 MB) heruntergeladen werden.

 

 

Die Idee eines (Groß-)Kinos in der Altstadt

Experten vermuten, dass der Stellenwert des Kinos in den kommenden Jahren massiv zurückgehen wird zugunsten neuerer Formate und veränderter Sehgewohnheiten. Der Trend geht bekanntlich zur Serie, die am Fernseher oder auf einem mobilen Gerät in hoher Qualität gesehen wird.

Viele auch große Filmproduktionen werden erst gar nicht mehr fürs Kino produziert. In Venedig hat gerade ein Film den Goldenen Löwen gewonnen, der nie im Kino gezeigt wird.

Zu einem Zeitpunkt, in dem völlig unklar ist, ob das Filmtheater als Kunstform noch eine Zukunft hat, wäre es unklug, in dieser Richtung eine langfristige Investition zu tätigen.

Ein großer Gebäudekomplex wie ein Großkino würde den städtebaulichen Entwurf der Domhöfe als Wohnquartier zerstören. Ein Kino ist ein introvertierter, massiver Baukörper, ein hoher fensterloser Betonklotz ohne jede Beziehung zu den benachbarten Wohngebäuden.

In den Domhöfen soll gewohnt und geschlafen werden. Die angekündigte 24-Stunden-Nutzung der geplanten Säle kann nicht im Interesse der Anwohner sein.

Ein Kino in Multifunktionssälen mitten in der Altstadt

Angemessene und würdige kulturelle Inhalte hat es am alten Stadthaus gegeben. Es bot eine funktionierende lebendige Mitte, wenn auch unschön verpackt, gleichwohl in vielfältiger Weise vereint: Bürger- und Veranstaltungsaal, Bibliothek, Kunstausstellungssaal, Kulturstation mit Bühne für kleinere Theateraufführungen, den Vorlesesaal für Vorträge und Präsentationen, Galerien, Malschule, Tanzschule, Geschäfte, Gastronomie, Sparkasse, öffentliche Toiletten.

Unsere Sorge ist nun, dass die noch immer geplanten Multifunktionssäle in den Domhöfen nichts Halbes und nichts Ganzes werden, denn wenn es darum geht, einen Saal noch als Veranstaltungsraum für z.B. Vereine u.ä., als kleinen Konzertsaal, Ausstellungssaal, Ball- oder Tanzsaal oder als Theater zu verwenden, stößt die Multifunktionalität schnell an ihre Grenzen:

Wir haben ein riesiges Multiplex-Kino in Gießen und hervorragende Programmkinos in Gießen, Weilmünster und Lich. Statt diese Häuser zu schädigen, sollte Wetzlar kulturell eher etwas bieten, was ein Alleinstellungsmerkmal beinhaltet.

Alternativen:

Erhalten Sie das bestehende Kino am Karl-Kellner-Ring.

Herr Bender hat uns außerdem mitgeteilt, er habe direkt neben dem Forum-Parkhaus und zwischen Lahn und Rittal-Arena ein Grundstück erworben, auf dem er in Kürze ein Hotel bauen werde. Pächter und Betreiber sei die B&B Hotelkette. Er könnte auf dem Hotel auch Kinosäle bauen. Die Besucher des Kinos könnten das Forum-Parkhaus nutzen.

Ein Parkhaus am Rosengärtchen

Lange Zeit wurde ein bereits als Plan vorliegendes Multiplex-Kino als Hauptgrund für das Parkhaus am Rosengärtchen angeführt. Die Forderung ging aber einzig auf die IG-Altstadt, also die Ladenbesitzer, nicht auf den Investor oder den Kinobetreiber zurück.

Investor Martin Bender benötigt laut eigener Aussage für das gesamte Projekt Domhöfe (einschließlich Kino) kein Parkhaus außerhalb der Domhöfe.

Immer wieder wird von den Befürwortern betont, dass man das Parkhaus von der Goethestraße aus nicht sehen kann. Offenbar wird von denjenigen ganz richtig vorausgesetzt, dass Parkhäuser hässlich sind. Dass dieses Parkhaus in seiner vollen Hässlichkeit wie ein Beton-Kreuzfahrtschiff direkt an das Rosengärtchen mit Steg „anlegen“ soll, wird dabei verheimlicht.

Erheblich wird auch die Schadstoff- und Lärmbelastung aus den Lüftungsanlagen des Gebäudes und von den Ein- und Ausfahrtsrampen für die Wohngebäude sein, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegen.

Das Gutachten zum Parkraumkonzept 2014 stellt fest, es gebe 3600 Parkplätze in der Altstadt. Bürgermeister Semler erklärte zu der Frage nach einer Aufstockung um weitere 90 Parkplätze an der Avignon-Anlage, dass man entsprechend dem Gutachten ausreichend Plätze in der Altstadt habe und das also nicht erforderlich sei.

Parkhaus

Parkhäuser sind extrem belastete Gebäude, da der Salzeintrag im Winter jeden Stahlbeton ruiniert. Es gibt Verfahren zur Verbesserung der Haltbarkeit, die aber sehr teuer und in ihrer Wirksamkeit umstritten sind.

Da der Blick zum Dom vom Rosengärtchen durch eine 12 Meter hohe Betonwand verstellt wird, kann der Denkmalschutz diesem Vorhaben nicht zustimmen.

Bürgermeister Harald Semler will er erst über das Parkhauskonzept abstimmen lassen, bevor ein Verkehrskonzept

entwickelt wird.

Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt, denn ein vernünftiges Verkehrskonzept sollte ja gerade den Verkehr von der Altstadt fern halten. Sich dies ohne Parkhaus in der Altstadt vorzustellen, dazu fehlt den Verantwortlichen leider die Kenntnis moderner Verkehrskonzepte. Zu weniger Emissionen in der Altstadt kommen wir nicht durch ein weiteres Parkhaus, das zusätzlich Autofahrer anlocken soll. Im Gegenteil.

Die Grünfläche, auf dem heute Kinder spielen, darf keinem Parkhaus weichen. Sie ist viel zu wertvoll für die gesunde körperliche Entwicklung der Kinder vom Kleinkind- bis zum Jugendalter.

Alternative:

Das fast immer leer stehende Parkhaus an der Stadthalle muss sowieso für ca. 2 Millionen saniert werden. Da hierfür keine Mittel zur Verfügung stehen, wird es in naher Zukunft geschlossen. Eine weitere peinliche Bauruine in der Stadt. Statt ein neues Parkhaus zu bauen, kann man dieses Parkhaus für ca. 5,5 Millionen sanieren, modernisieren und ausbauen. (Soviel soll das neue Parkhaus am Rosengärtchen kosten.)

Das Parkhaus an der Stadthalle ist nur 50 Meter weiter entfernt vom geplanten Kino.

Ein neues Parkhaus wird sich nicht rechnen. Deshalb darf man die Kita Marienheim nicht abreißen und das Rosengärtchen nicht verschandeln, keinen weiteren wertvollen Boden versiegeln und keine zusätzliche Feinstaub- und Abgasbelastung in die Altstadt bringen!

Der Abriss der Kita Marienheim

Die Kita Marienheim in der Goethestraße ist nicht baufällig. Die Anforderungen des Brandschutzes sind erfüllt. 2016 wurden 10 000 € für Brandschutztüren und eine Rauchmelderanlage in die Kita Marienheim investiert. Sanierungsmittel von 490.000 € stehen der Stadt seit 2016 zur Verfügung. Statt die geplanten 3,1 Millionen Euro in den Umbau eines Verwaltungsgebäudes in der Turmstraße zu stecken, ist das Geld für die Modernisierung und einen Umbau der Kita Marienheim besser investiert.

An einem Elternabend gegen Ende 2017 machte Kita-Leiterin Karin Knoth deutlich, dass das pädagogische Konzept ohne Einschränkungen in der bestehenden Kita-Marienheim verwirklicht wird. Das ist bis heute so. Der Wunsch nach einem Umzug ergab sich nie aus Mängeln an dem Kita-Gebäude. Der Umzug und Abriss sei von Seiten der Stadt an sie herangetragen worden.

Die Kita Marienheim wurde 1973 nur gebaut, weil die Wetzlarerin Hedwig Nold der Stadt ihr gesamtes Vermögen unter der Bedingung vermacht hatte, dass die Stadt eine Kita mit dem Namen Marienheim baut.

Die Turmstraße ist keine Alternative

Wenn der Trend zu mehr Geburten anhält, wird das Außengelände in der Turmstraße schnell zu klein. 90 Kinder auf dem Außengelände sind jetzt schon unvorstellbar. Fußball geht gar nicht.

Das Außengelände in der Turmstraße, zählt man einen lächerlich schmalen Streifen in Richtung Straße dazu, kommt auf gerade mal 850 m².

Die Kita Marienheim verfügt über eine traumhafte Grünfläche von ca. 1640 m², die direkt an das Rosengärtchen grenzt. Hier können Hort- und Schulkinder an der frischen Luft laut sein und Fußball spielen.

Die Außenfläche in der Goethestraße ist mindestens doppelt so groß und ist auch zum Fußballspielen nutzbar. Das ist in der Turmstraße nicht möglich, auch wenn auf dem Computerbild ein Kind im Sandkasten Fußball spielt.

Das Argument, dass das Außengelände in der Turmstraße immer noch größer sei als in einer durchschnittlichen Kita, soll bedeuten, dass das Außengelände in der Goethestraße purer Luxus ist? Wie zynisch ist das gegenüber unseren Kindern, die Autos Platz machen sollen.

Das Außengelände in der Goethestraße gehört auch in Zukunft den Kindern des Marienheims.  Die wunderbare Lage des Marienhorts soll weiter den Kindern vorbehalten bleiben. Es dürfen in einem modernen Wetzlar nicht weiter großflächig Grünflächen zubetoniert werden – am wenigsten, um Autos anzulocken.

Bebauung des Liebfrauenbergs

Es ist vor allem das intensive Grün auf diesem Dreiecksgrundstück, das nicht nur vom Eisen- und Kornmarkt ins Auge fällt, sondern auch das Ende der Blaunonnengasse vom Domplatz her markiert: Ein Ort der Erholung für Anwohner und Touristen, für ungefährdetes Kinderspielen, wertvoll für das Kleinklima, einmalig gelegen inmitten der engen Gassen der Altstadt.

 

Dieser Platz und das intensive Grün müssen erhalten bleiben.

Ein Wohngebäude auf dem Spielplatz verbietet sich (wo ohnehin in nächster Nähe genügend neue Wohnungen entstehen werden!). Aber auch ein Restaurant auf dem westlichen Teil des Platzes darf nicht gebaut werden! Die zahlreichen kleineren und größeren Restaurants und Cafés in der Altstadt, die es schon heute nicht leicht haben, würden in ihrer Existenz gefährdet. Wir brauchen keine weiteren Leerstände und sollten die vorhandene Qualität des vielfältigen gastronomischen  Angebots der Kleinbetriebe in der Altstadt erhalten. Das Hörnsheimer Eck besetzt den Ort bereits ausreichend.

Der Platz muss als Naherholungs- und Rückzugsort für Anwohner und Touristen, Kinder und Erwachsene ohne Verzehrzwang und kommerzielle Nutzung erhalten werden.

 

Video: Kinderfest für den Erhalt des Liebfrauenberges im August 2018

Es steht konträr zur mittlerweile allgemein anerkannten Überzeugung in der Stadtplanung in westlichen Städten und Metropolen, solches Stadtgrün im Zuge der klimatisch bedingten stärkeren Erwärmung der Stadtinnenbereiche nicht nur erhalten, sondern im Gegenteil ausweiten zu müssen!

Alternative:

Die Stadt soll sich nach dem Vorbild Gießens um das Bund-Länder-Programm „Zukunft Stadtgrün in Hessen“ bewerben. Da stehen Fördermittel bereit, um innerstädtische Grünflächen zu sichern, zu verbessern und zu erweitern. Es werden Fördergebiete markiert, die besondere ökologische Potenziale bergen.

BÜRGERBETEILIGUNG ERWÜNSCHT!?

„Beschäftigen Sie sich mit! Wir wollen viel Kritik hören und viel Mitarbeit. Ich finde nicht immer nur das Positive wichtig. Es ist auch wichtig, dass wir sehr viel Kritik kriegen. Dass wir an dem Tag, an dem wir anfangen, die Kritik verarbeiten können und offen sind. Ich glaube, das haben wir uns angewöhnt, bei uns im Haus. Ich hoffe, dass Sie da alle Mann oder alle Frauen und Männer daran arbeiten. Vielen Dank!“

Investor Martin Bender

„Viele Themen, die ich bisher in meiner Funktion als Baurat begleitet habe, bestätigen mich darin, dass unter Einbezug der Öffentlichkeit und mit einem offenen Diskussionsprozess am Ende nicht nur optimale Lösungen, sondern auch das beste Klima in der Stadt entsteht und gehalten werden kann.

Bürgermeister Harald Semler


Bürgerinitiative Marienheim

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